Arbeitsplan/Maßnahmen bei der Überwinterung unserer Bonsais


 

Überwinterung unserer Bonsai


Alle einheimischen Pflanzen und jene, die in vergleichbaren Klimazonen beheimatet sind, vertragen im Normalfall tiefe Temperaturen und Frost, die meisten brauchen diese tiefen Temperaturen sogar, um ihre Winterruhe einhalten zu können. Die Überwinterung beginnt vor Einsetzen der ersten Fröste und endet mit dem Ausklingen stärkerer Fröste – je nach Lage – etwa Ende Februar bis Anfang März.
„Indoors“ jedoch, also Pflanzen die aus wärmeren Zonen stammen, ertragen keinen oder nur sehr geringen Frost und überwintern in frostgeschützten aber hellen Räumen. 
Entscheidend ist hier das Zusammenspiel zwischen Licht, Temperatur und Bodenfeuchtigkeit: Je kühler der Raum, je weniger muss gegossen werden und die Pflanzen kommen dann auch mit weniger Licht aus. 
Besondere Beachtung müssen wir einigen „Sukkulenten“ (Pflanzen, die Wasser in Stamm, Blatt oder Wurzeln speichern) schenken, wie z.B. Crassula-Arten und besonders Adenium obesum. Diese meist aus Afrika stammenden Arten überwintern ideal bei 8 - 10 ° C aufwärts und können dann vollkommen trocken stehen. Diese Arten überwintern besser in geheizten Wohnräumen, idealerweise direkt am Fenster. 
Generell gilt: Je mehr Licht, umso besser. Diese Pflanzen holen wir deutlich vor den ersten Nachtfrösten ins Haus und erst nach den Eisheiligen können sie wieder in die „Sommerfrische“. Indoors ganzjährig im Haus zu halten ist nicht empfehlenswert, durch die geringere Lichtintensität würden sie schwach und schädlingsanfällig und verlören ihre schöne kompakte Gestalt.


Wichtig ist in jedem Fall die leichte Erreichbarkeit, um die jederzeitige Kontrolle zu ermöglichen, der Wurzelballen muss auch im Winter durchgängig feucht (nicht nass!) sein.

 

• Überwinterung im Freien:


Die einfachste Möglichkeit der Überwinterung ist, den Bonsai samt Schale an einem schattigen, geschützten Platz ins Erdreich einzusenken. Gute Bonsaischalen lassen keine Feuchtigkeit durch. Gefriert der Wurzelballen in nassem Zustand, dehnt sich der Wurzelraum jedoch aus und kann die Schale sprengen. Um dieses Risiko auszuschalten, können unsere Bonsai und natürlich auch Beistellpflanzen vor dem Eintreten stärkerer Fröste ausgetopft und in den Boden eingesenkt werden.

 Die Überwinterung kann im Garten geschehen oder in einem zur Hälfte mit Sand, Torf oder Ähnlichem gefüllten und oben offenen Behälter. Dabei ist wichtig, auch die Oberfläche mit einer dünnen Schicht zu bedecken.

Bei Einsetzen starker Fröste kann dieser Behälter mit einem hellen Flies abgedeckt werden, auf jeden Fall muss aber der Luftaustausch gewährleistet bleiben.


Wichtig ist, dass die Überwinterung – besonders im ausgehenden Winter – vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt erfolgt, also z.B. hinter Mauern, Bäumen oder hohen Büschen. Notfalls muss schattiert werden. Eine interessante Lösung ist auch die Überwinterung in Lichtschächten vor Kellerfenstern oder in Frühbeeten.
Der grösste Feind unserer Pflanzen im Winter ist neben der Sonne der Wind, er trocknet das Substrat aus. Die meisten Verluste im Winter entstehen nicht durch Erfrieren, sondern durch Vertrocknen.


• Überwinterung im Kalthaus:

 

Unterbringung im Kalthaus, einem unbeheizten oder frostfrei gehaltenen Gewächshaus, ist eine häufig praktizierte Überwinterungsmethode für Bonsai. Es ist ausreichend Licht vorhanden, die Temperaturen sind niedrig, Wind kann unseren Pfleglingen nicht gefährlich werden und ausreichende Belüftung sollte kein Problem sein. 


 

Auch im Kalthaus überwinternde Pflanzen müssen regelmässig auf ihren Feuchtigkeitszustand und auch auf Schädlingsbefall kontrolliert werden. Ganz besonders jedoch ist auf die meist schnelle und starke Erwärmung an winterlichen Sonnentagen zu achten, dann ist gründlich zu lüften. Im Kalthaus werden vor allem Pflanzen überwintert, die spät im Herbst noch umgetopft wurden oder an denen auch noch im Winter Gestaltungsarbeiten vorgenommen werden, sie würden bei stärkeren Frösten im Freien Schaden nehmen. 
Ein zu hoher Temperaturanstieg über + 5 bis + 8 ° C muss vermieden werden, bei Bedarf (Sonneneinstrahlung!) muss ausgiebig gelüftet werden.

 

• Überwinterung im (Wohn-)Haus oder im beheizten Gewächshaus:

 

Steht keine Möglichkeit zur Überwinterung frostverträglicher Bonsai im Aussenbereich oder einem Kalthaus zur Verfügung, ist die letzte Möglichkeit das Wohnhaus. In diesem Fall ist der kühlstmögliche Ort zu wählen und die Aufstellung der Bonsai und Begleitpflanzen sollte so hell erfolgen wie nur möglich. Dabei sollte direkte Sonneneinstrahlung vor allem in der Mittagszeit unbedingt vermieden werden.

 


Für tropische und subtropische Pflanzen wie beispielsweise unsere Ficus-Arten oder Sukkulente ist eine Überwinterung im Wohnbereich/beheizten Gewächshaus auf jeden Fall unerlässlich. Auch sie sollten jedoch nicht übermässig warm gehalten werden und maximal hell stehen. Ficus-Arten reagieren bei Standortwechsel meist mit Blattabwurf, dasselbe passiert bei Zugluft oder zu nassem Stand. Auch hier schadet häufiges Lüften nicht, frische Luft ist gesund, nicht nur für uns Menschen!


• Giessen:

 

Unsere Bonsai brauchen auch im Winter Wasser. Auch wenn sie jetzt nicht erkennbar wachsen, verdunsten sie trotzdem Feuchtigkeit. Je nach Überwinterungsort ist zwar der Wasserbedarf nun weitaus geringer als im Sommer aber die Wurzelballen unserer Pflanzen dürfen auch im Winter nicht austrocknen. Das trifft besonders für Immergrüne und Nadelbäume zu, die auch im Winter noch weiterwachsen aber auch die Laubabwerfenden dürfen nicht vernachlässigt werden.


• Umtopfen, Schneiden und Gestalten:

 

Besonders die herbstlichen Arbeiten an Nadelbäumen (Nadelschnitt, Triebschnitt auch Drahten und Formen und Umtopfen) können auch im Winter weitergeführt werden, vorausgesetzt, diese Bonsai werden frostfrei überwintert. Bei diesen Arbeiten entstehen unweigerlich Beschädigungen wie Risse in der Rinde und diese Beschädigungen in Kombination mit Frost gefährden den Baum oder zumindest die bearbeiteten Äste und Zweige und können sie sogar zum Absterben bringen.

 

• Düngen:

 

Düngen ist bei überwinternden Bonsai tabu. Ausnahmen sind Pflanzen aus den Subtropen und Tropen, die warm überwintern, z.B. in Wohnräumen. Sie können gelegentlich ein wenig Dünger bekommen aber nur wenn sie kerngesund sind und niemals auf den trockenen Ballen.


• Pflanzenschutz, Krankheiten und Schädlinge, Zustandskontrolle:

 

Wie schon erwähnt, müssen unsere Bonsai so überwintert werden, dass sie jederzeit bequem zu kontrollieren sind. Besonderes Augenmerk richten wir – neben ausreichend Feuchtigkeit im Wurzelbereich – den jetzt gehäuft auftretenden Schädlingen. Das sind bevorzugt Schildläuse, Wurzelläuse, Spinnmilben („Rote Spinne“) und teilweise auch Blattläuse. Auch Schnecken können vor allem Beistellpflanzen schädigen.
Besonderes aufmerksam beobachten wir aber den Allgemeinzustand unserer Pfleglinge. Bei Gefahr ist sofortiges Handeln angesagt, geschädigte Pflanzen müssen frostfrei aufgestellt werden.


• Artenspezifische Hinweise:

 

Es gibt Arten, die gegen Frost im Wurzelbereich empfindlich sind. Dazu gehören Pflanzen mit dickfleischigen Wurzeln wie Gingko, Magnolie und Dreispitzahorn. Diese Arten sollten mit ihren Schalen eingesenkt werden.
Eine besondere Behandlung benötigen auch die hochsukkulenten Adenien (Adenium obesum). Insbesondere die Kombination Feuchte und Kälte (bereits unter + 8 - 10 ° C!) ist ihr Feind und sie beginnen dann schnell zu faulen. Adenien überwintern am Besten auf der Fensterbank im Wohnzimmer, dann können sie auch den Winter über normal gegossen werden.

 

Liebe Bonsaifreunde, 
meine Veröffentlichungen beruhen auf eigenen Erfahrungen und Auswertungen der einschlägigen Fachliteratur. Wenn Diskussionsbedarf besteht oder andere Erfahrungen gemacht wurden, dann schreibt mir doch eine E-Mail: w.porath@ro-online.de
Euer
Werner J. Porath
2. Vorsitz und Schulungsbeauftragter