Von der Kunst des richtigen Düngens


 

Die Kunst des richtigen Düngens

Düngen bedeutet, Pflanzen mit lebenswichtigen Nährstoffen zu versorgen, die sie für ein gesundes Wachstum und – bei Blütenpflanzen – für eine üppige Blüte brauchen. Die Kunst ist, den Pflanzen während der gesamten Wachstumsperiode genau die Nährstoffe in genau der Menge zuzuführen, die sie brauchen um gesund zu bleiben und sich gut zu entwickeln.


Wir können unsere Bonsai auf zweierlei Art düngen:

• Organische Düngung


beruht auf organischen Bestandteilen wie tierische Abfallprodukte (Tier-exkremente, Horn- Knochen- oder Blutmehl, Haare) oder pflanzliche Abfallstoffe wie Kompost oder Mulch.
Organische Dünger werden bei Bonsai und anderen Zierpflanzen üblicherweise in gepresster Form (z.B. Pellets) angewendet. Sie werden durch Kleinstlebewesen im Boden in Abhängigkeit von Temperatur und Feuchtigkeit langsam zersetzt, dadurch werden die Einzelnährstoffe nach und nach freigesetzt und können dann von den Wurzeln aufgenommen werden. Da für diesen Vorgang eine gewisse Boden-Mindesttemperatur und Feuchtigkeit benötigt werden und die Zersetzung zeitverzögert erfolgt, ist die Freisetzung der pflanzenverfügbaren Nährstoffkomponenten nur schwer kontrollierbar.
Aus diesen Gründen wird organischer Dünger ca. 4 Wochen früher verabreicht wie mineralischer Dünger und entsprechend im Herbst auch früher abgesetzt.
Ein Vorteil der organischen Düngung ist, dass eine Überversorgung („Überdüngung“, „Verbrennung“) nicht so leicht eintritt wie bei mineralischen Düngern.


• Mineralische Düngung


erfolgt entweder in flüssiger (in Wasser gelöster) Form oder als Granulat. Die Anwendung erfolgt strikt nach Gebrauchsanweisung, Überdosierung kann zu extremen Schädigungen der Pflanzen führen.


Granulat wird bei Bonsai – ebenso wie organische Düngerpellets – einfach aufgelegt und so mit dem Giesswasser in den Wurzelbereich eingeschwemmt.
„Flüssigdünger“ können sehr viel besser an die jeweilige Pflanzenart und Jahreszeit angepasst werden. Gute Flüssigdünger enthalten neben den Basisnährstoffen Stickstoff (N), Phosphat (P) und Kalium (K) zusätzlich mehr oder weniger Spurenelemente. Die jeweilige Zusammensetzung der Basisnährstoffe wird auf der Verpackung als Zahlenkombination aufgedruckt, wobei die erste Zahl den Stickstoffgehalt, die Zweite den Phosphatgehalt und die dritte Zahl den Kaliumgehalt angibt. So sind z.B. die Kombinationen 8-8 6 und N8, P8 K6 inhaltlich identisch und bedeuten 8 % Stickstoff, 8 % Phosphat und 6 % Kalium. Diese relativ niedrigen prozentualen Anteile besagen auch, dass Flüssigdünger überwiegend aus Wasser bestehen, was wiederum ihre Anwendung und Dosierung stark vereinfacht.


Flüssigdünger können periodisch (z.B. wöchentlich, 2-wöchentlich usw.) oder permanent (bei jedem Giessvorgang in dann entsprechend angepasster Konzentration) angewendet werden.

Idealerweise wird für Flüssigdünger kalkfreies, zumindest kalkarmes Wasser benutzt, anderenfalls lagern sich die im Wasser gelösten Kalkkristalle auf der Substratoberfläche ab und bilden im Lauf der Zeit hässliche gelblich-braune Kalkablagerungen, bevorzugt am oberen Schalenrand und am Übergang vom Substrat zum Wurzelansatz. Diese Ablagerungen sind nicht nur unschön sondern für salzunverträgliche Pflanzenarten wie z.B. Azaleen gefährlich bis tödlich.


Einer der vielen Vorteile flüssiger Mineraldünger ist, dass sie auch als „Blattdünger“ verabreicht werden können, falls sie dafür konzipiert sind. Ein Vorteil der Blattdüngung ist, dass die Nährstoffe über die Blätter sofort aufgenommen werden. Das ist vor allem bei Anzeichen von Mangelernährung ein enormer Vorzug und führt bei richtiger Anwendung schnell zur Gesundung der betroffenen Pflanze.


Wird bei Blattdüngung „hartes“ also kalkhaltiges Wasser verwendet, bilden sich auf den Blättern unschöne Kalkflecken, die im Lauf der Zeit die Blätter auch schädigen. Eine Ausnahme bilden die WUXAL-Dünger, sie sind mit einem Puffersystem ausgestattet, das den pH-Wert auf 6 – 6,5 einstellt und dadurch die Entstehung von Blattflecken verringert.


Sonderanwendung „Blattfalldüngung“:


Bäume entwickeln gerade zur Zeit der Blattverfärbung ein sehr aktives Wurzelwachstum. Das können wir nutzen, indem wir in diesem Stadium – also direkt vor dem Blattfall – eine Sonderration Stickstoff verabreichen. Das ist jedoch nicht ganz ohne Risiko, denn bei ungünstigem Witterungsverlauf könnten die so behandelten Bäume noch einmal austreiben, was unweigerlich Frostschäden nach sich zöge. Im Normalfall werden die so noch aufgenommenen Nährstoffe vom Baum eingelagert und zur Stammverdickung und Wundheilung genutzt. Diese Methode hat leider auch den Nachteil, dass unsere Bonsai dann beim nächsten Austrieb meist übergrosse Blätter und oft auch lange Internodien bilden. Deshalb wird die Blattfalldüngung bei ausgereiften Bonsai nicht mehr angewendet.


Generell sollte man sich nicht nur auf einen Dünger das ganze Jahr hindurch beschränken, da jeder Dünger einen anderen Schwerpunkt hat. Die Bonsaischule Enger empfiehlt deshalb die Flüssigdünger Mairol und Wuxal im Wechsel zu verwenden. „Während Mairol neben den Hauptnährstoffen und Spurenelementen auch Vitamine und Phytohormone enthält, ist Wuxal stickstoffbetont und damit sehr gut zur Blattdüngung geeignet“.
Egal, ob organisch oder mineralisch gedüngt wird: Grundsätzlich werden nur gesunde Pflanzen gedüngt, niemals kranke oder frisch Umgetopfte.
Grundsätzlich düngen wir niemals auf trockenes Substrat. Salze ziehen Wasser an, entziehen also auch den Wurzeln Wasser. Sind die Wurzeln bereits zu trocken, werden sie durch diesen Wasserabzug beim Düngevorgang zusätzlich geschädigt und sterben in schweren Fällen sogar ganz ab (und damit die ganze Pflanze). Deswegen muss ein ausgetrockneter Wurzelballen mindestens 1 – 2 Stunden vor dem Düngen gründlich gewässert werden.

Sauer oder basisch/alkalisch?


Besonders wichtig ist, unsere Bonsai nach ihren Ansprüchen an den PH-Wert zu unterscheiden. Die meisten Pflanzen benötigen ein leicht saures bis neutrales Milieu mit einen pH-Wert im Substrat zwischen pH 6 und 7,5. „Moorbeetpflanzen“ wie Azaleen, Rhododendren, Hortensien und manche Heidekräuter dagegen brauchen einen pH-Wert unter 6 (saures Milieu) und einen Spezialdünger, der auf diese Bedürfnisse abgestimmt ist.


Bei Nadelbäumen beginnen wir mit dem Düngen kurz vor dem Öffnen der neuen Kerzen – das ist meist ab Juni, also ca. 4 Wochen später als bei Laubbäumen, bei Blütenbonsai im Normalfall nach der Blüte und bei den „übrigen“ Laubbäumen und den Lärchen nach dem fortgeschrittenen Austrieb der Knospen, normalerweise im Verlauf des Mai. Wird früher gedüngt, bilden die meisten Bäume sehr grosse Blätter bzw. lange Nadeln. Wird deutlich zu früh oder zu stark gedüngt, reichern sich die Nährstoffe im Substrat an, was zu mehr oder weniger schweren Wurzelschäden führen kann und damit schlimmstenfalls zum Absterben der Pflanze.
Bei Laubbäumen wird das Düngen mit Flüssigdüngern im August/September auf stickstoffarmes, kalibetontes Düngen umgestellt, wie z.B. WUXAL Top K (5-8-12), damit die neuen Triebe früh genug ausreifen und eine gute Frostresistenz entwickeln können.
Die Manna-Produktberatung (WUXAL) empfiehlt eine Anwendung erst im September, der Grund ist das sich verändernde Klima und die damit verbundene verlängerte herbstliche Wetterperiode mit entsprechend später einsetzenden Frösten.


Kalidünger kann aber auch als Granulat („Patentkali“) gegeben werden, entweder im August in 3 Gaben direkt auf die Substratoberfläche gestreut, wo es sich beim Giessen nach und nach auflöst oder Ende August/Anfang September in Wasser aufgelöst, wo es sofort zu wirken beginnt.


Bei Nadelbäumen erfolgt diese Umstellung ca. 4 Wochen später.


Allgemeine Anmerkungen:

Ammoniumbetonte Dünger wirken eher versauernd, während nitrathaltige Dünger ph-stabilisierend wirken.


Demnach müsste WUXAL Super nach Auskunft der Manna-Produktberatung auch bei Azaleen funktionieren.
Qualitätsdünger enthalten eine Angabe über die Stickstoffart auf der Verpackung.