Teil VI: Arbeitsmaßnahmen/Tipps bei unseren Bonsais im Juni


 

· Umtopfen

sollte längst beendet sein und auch der Frühjahrs-Austrieb sollte langsam zum Abschluss kommen.

Lediglich bei schwächelnden Bäumen sollte der Wurzelapparat begutachtet und nötigenfalls ein Not-Umtopfen in Erwägung gezogen werden, dann aber ohne die Wurzeln mehr als unbedingt nötig zu bearbeiten, weil unsere Pflanzen nun zu Beginn der heissen Sommer-

monate alle Wurzeln brauchen, um Wasser aufzunehmen, damit die Kühlung durch Verdunstung und Assimilation gut funktio-

nieren. Anderenfalls drohen Trockenschäden bis hin zum Absterben der Pflanze. Ursachen für schlechtes Wachstum oder Kümmern der Pflanzen können in einem kranken oder schwachen Wurzelapparat liegen, beispielsweise durch:

  • Trockenschäden/Giessfehler: Vertrocknete Wurzeln durch versäumtes Giessen. Das kann auch in Regenphasen passieren, wenn ein dichtes Blätterdach den Regen nach ausserhalb der Schale ableitet wird („Regenschirmeffekt“) und dadurch das Substrat trotz Regen austrocknet).
  • Nässeschäden/Giessfehler: Verfaulte Wurzeln durch Staunässe. In diesem Fall muss eine Not-Umtopfung erfolgen, die verfaulten (innen schwarzen) Wurzeln müssen bis in den gesunden (hellen) Teil entfernt werden. In diesen Fällen sollten die Schnittstellen mit zerriebener Holzkohle oder Aktivkohle eingepudert werden, um Infektionen zu verhindern.
  • Zu altes und/oder zu dichtes Substrat (versäumtes Umtopfen). Werden die Bonsai zu lange nicht umgetopft, wachsen die Wurzeln am Schalenboden so lange im Kreis bis sie schliesslich absterben. Meist werden die Pflanzen auch infolge dieses „Kreisens“ der Wurzeln aus der Schale gehoben, was wiederum zu Trockenschäden führen kann.
  • Wurzelschädlinge: Gelegentlich sind auch Wurzelschädlinge die Ursache für Kümmerwuchs. Oft sind das Wurzelläuse, die Larven des Rüsselkäfers, seltener auch Ameisen, die im Substrat nisten und dort Hohlräume schaffen.
  • Befall mit Wurzelschädlingen (Wurzelläuse oder Dickmaulrüssler-Larven). Gefurchter Dickmaulrüssler (Otiorhynchus sulcatus)

Quelle: ThKatz / Fotolia.com

Quelle: blickwinkel/imago images

 

  • Lediglich Azaleen können Anfang Juni (direkt nach der Blüte oder im März vor der Blüte) umgetopft werden, weil durch die feinen Wurzeln im Normalfall kein starker Eingriff in das Wurzelwerk erfolgen muss.

 

Es versteht sich von selbst, dass Bonsai nach einer Not-Umtopfung absonnig (aber nicht dunkel!) aufgestellt werden müssen, bis neues Wachstum einsetzt.

 

· Schneiden und Gestalten

Unsere Bäume haben nun Kraft geschöpft und zeigen das an einem oft „ausufernden“ Neuzu-

wachs. Damit Licht ins Innere kommt und der Aufbau einer guten Verzweigung erreicht wird, müssen unsere Bäume regelmässig beschnitten werden. Allerdings sollte der Neutrieb auf keinen Fall sofort beschnitten werden. Die Bäume brauchen etwas Zeit, um Kraft zu schöpfen bis die neuen Zweige leicht verholzt sind.

Beim Rückschnitt des Neuzuwachses ist zu unterscheiden zwischen Laub- und Nadelbäu-men und zwischen bereits ausgereiften oder noch im Aufbau befindlichen Bonsai.


· Triebschnitt an Nadelbäumen

Beim Rückschnitt von Nadelbäumen denken wir vor Allem an die Rückknospung.

Bei zweinadeligen Kiefern werden die Kerzen nun ausgebrochen oder um 1/3 bis 2/3 zu-rückgenommen, bevor sich die neuen Nadeln strecken. Gleichzeitig können an diesen Zwei-gen auch die alten Nadeln reduziert werden, wobei 4 – 5 Nadelpaare am Trieb bleiben.

 

Bei frisch getopften oder schwachen Bäumen werden die alten Nadeln erst im September selektiert. Durch diese Massnahmen kommt Licht ins Innere, dadurch wird die Rückknospung gefördert.

  • Nadelwacholderarten werden auf ein Drittel des Neuaustriebs zurückge-nommen.
  • Schwarzkiefern sind in ihrem Wachs-tum normalerweise etwas später dran, ihre Kerzen werden deshalb erst etwas später zurückgenommen.
  • Die im Normalfall etwas schwachwüch-sigeren 5-nadeligen Kiefern (Mädchenkiefern) werden sensibler bearbeitet, d.h. zuerst werden die starken Kerzen gekürzt, die schwachen 1 bis 2 Wochen später. Auch das komplette Entfernen der Kerzen sollte gut überlegt sein.
  •  Mekiri ist eine weitere, aber sehr effektive Methode, die Rückknospung bei zweinadeligen Kiefernbonsai zu fördern: Etwa ab Mitte Juni (bis Mitte Juli) können bei vitalen und gesunden Kiefernbonsai alle neuen Triebe entfernt werden, sobald die Nadeln sich gestreckt und zumindest beinahe ihre volle Länge erreicht haben. Dabei kann auch weiter zurück geschnitten werden, es müssen aber auf jeden Fall noch Nadeln am Zweig bleiben. Die daraufhin noch im selben Jahr erscheinenden Knospen werden auf Wenige (2) pro Trieb selektiert und sollten innerhalb von 3 Monaten mit kleineren Nadeln austreiben und ausreifen. Durch diese Methode werden gelegentlich auch noch Knospen im „alten Holz“ gebildet, was auf andere Art kaum zu erreichen ist. Erfolgt diese Massnahme zu spät, werden die neuen Knospen erst im Folgejahr gebildet und austreiben (Tanbahoo).
    Achtung:  Mekiri und Tanbahoo darf nur bei top im Wachstum stehenden, absolut gesunden Bäumen durchgeführt werden und auch nur max. alle 2 Jahre!

· Trieb- und Blattschnitt an

Laubbäumen

  • Bei jungen, noch im Aufbau befindlichen Pflanzen wird der Neuzuwachs im Normalfall stehen gelassen bis zum nächsten Frühjahr (März) und erst dann „scharf“ zurückgenommen. Lediglich sehr starke Zweige werden auf 1 oder 2 Knospen bzw. Blattpaare zurückgeschnitten, um den Aufbau einer guten Struktur und Verzweigung zu fördern. Ausnahmen: Stark blutende Arten wie Ahorne oder Walnuss werden erst im Spätherbst zurückgeschnitten.
    Bei ausgereiften („fertigen“) Bonsai wird der Neutrieb bereits im Wachstum reduziert (pinziert). Dadurch werden die Verzweigung weiter angeregt und die Blattgrösse reduziert. Pinzieren darf aber nur bei absolut gesunden Pflanzen erfolgen. Bei reifen Bonsai werden jetzt nur noch Zweige zurückgeschnitten, welche die Kronen-Silhouette störend überragen oder solche, die zur Verbesserung der Aststruktur noch durchwachsen durften.
    Der Blattschnitt im frühen Stadium dient dazu, das Kronen-Innere zu belichten und so zu verhindern, dass innenliegende Knospen und schwächere Triebe absterben. Dieser Teil-Blatt-schnitt ist im Juni längst abgeschlossen.
  • Sonderfall Lärchen                        Lärchen sind Nadelbäume, weil sie aber im Herbst ihr „Laub“ verlieren, gleichen sie in ihrem Wuchsverhalten eher Laubbäumen und müssen deshalb auch ähnlich behandelt werden. Da Lärchen aber nur dann einen zweiten Austrieb bilden, wenn der Neutrieb sehr früh bearbeitet wird, kann der Neutrieb bereits während seines Wachstums bei Erreichen der gewünschten Länge pinziert werden, um die Verzweigung zu fördern (man wartet nicht, wie z.B. bei Kiefern, bis sich der Neutrieb gestreckt hat, um ihn erst dann einzukürzen). Ist unsere Lärche noch im Aufbaustadium und damit ein Grössenwachstum und eine Stamm- oder Astverdickung gewünscht, lässt man den Ersttrieb zum Langtrieb auswachsen und schneidet erst im März des Folgejahres zurück. Allerdings haben Lärchen sehr dünne Leitungsbahnen, deshalb sollten generell immer eine gewisse Zahl von Langtrieben wachsen dürfen.
  • Gestaltende Massnahmen wie das Drahten kann bei einzelnen, bereits leicht verholzten Zweigen bereits jetzt durchgeführt werden. Der Vorteil zu diesem frühen Zeitpunkt liegt darin, dass der noch weiche Neutrieb nach blieben geformt und ausgerichtet werden kann.

· Giessen

Ältere, bereits weitgehend ausgeformte Bonsai werden im allgemeinen etwas sparsamer mit Wasser versorgt als jüngere, noch in der Erziehung stehende Bäume. Ein großes Wasserangebot führt auch zu verstärktem Triebwachstum. Bei Kiefern bleiben bei sparsamem Wasserangebot die Nadeln erheblich kürzer als bei reichlichem Wässern.


• Düngen

Ab Juni werden auch unsere Nadelbäume gedüngt. Jetzt werden alle Bonsai (und auch die Beistell- oder Akzentpflanzen) gut gedüngt, damit sie gesund und vital bleiben. Gedüngt wird organisch oder mineralisch.


Mineralische (Flüssig-) Dünger können zeitgenau verabreicht werden und wirken sofort. Wird auf trockenes Substrat gedüngt, können Verbrennungen an den Wurzeln auftreten. Ist das Substrat durchgetrocknet, lieber das Düngen verschieben.


Es hat sich bewährt, Flüssigdünger „permanent“ anzuwenden, das heisst mit jedem Wässern wird ein entsprechend geringerer Anteil Flüssigdünger gegeben, dann werden die Düngesalze beim nächsten Regen nicht ausgewaschen und es treten nicht so leicht Wurzelverbrennungen auf.


Organische Dünger, meist in Pelletform, werden auf das Substrat aufgelegt. Die Düngewirkung setzt durch den relativ langsam in Gang kommenden Zersetzungsprozess zeitversetzt ein, deshalb werden organische Dünger ca. 2 Wochen früher aufgelegt. Die Wirkung wird durch ein langsames, gleichmässiges Zersetzen mit Hilfe von Feuchtigkeit und Mikroorganismen ausgelöst. In Japan funktioniert das aufgrund der stetig hohen Luftfeuchtigkeit hervorragend, in unserem Klima dagegen trocknen die Düngerpellets an heissen Sommertagen aus, wodurch der Zersetzungsvorgang unterbrochen wird und der Dünger in dieser Zeit starken Wachstums der Pflanze nicht zur Verfügung steht und unter Umständen erst im kühleren und feuchteren Herbst wieder „anläuft“, wenn unsere Bonsai eigentlich schon auf den Wachstumsabschluss vorbereitet werden sollten.


Ich dünge mit WUXAL Super, das auch bei Verwendung von Leitungswasser keine Kalkflecken auf den Blättern hinterlässt, ph-neutralisierend wirkt und auch als schnellwirkender Blattdünger eingesetzt werden kann.