Gestaltung und Pflege von Bonsai


 

Braune Blätter und vorzeitiger Laubabwurf im Sommer

Braune Blätter und vorzeitiger Laubabwurf im Sommer
Wenn der Bonsai mitten im Sommer in den Herbstmodus wechselt.

Keine Frage, auch uns Bonsaianer hat der Klimawandel längst erreicht. Heiße und trockene Sommer stellen unsere Bäume zunehmend vor Probleme. Immer häufiger beobachten wir, dass Bonsai bereits im Juli oder August braune Blätter bekommen oder oder diese sogar vollständig abirft.

Ist das ein Zeichen dafür, dass der Baum krank ist? Nicht unbedingt – aber vorzeitiger Laubabwurf im Sommer ist immer ein Warnsignal. Häufig steckt Hitze- oder Trockenstress dahinter, manchmal kommen Schädlinge, Krankheiten oder Pflegefehler hinzu.

 

Warum werden Blätter im Sommer braun?
Im Wesentlichen kommen vier Ursachen infrage

  1.  Hitze.
    Hohe Temperaturen können für Bonsai schnell problematisch werden. Dabei ist nicht allein die Lufttemperatur entscheidend. Intensive Sonneneinstrahlung, trockene Luft, vor allem auch stark aufgeheizte Bonsaischalen können die Wurzeln und das gesamte Wasserhaushaltssystem erheblich belasten.
  2. Wassermangel
    Kann der Baum über die Wurzeln nicht genügend Wasser aufnehmen, gerät er in Trockenstress. Zunächst schließen sich die Spaltöffnungen der Blätter, um die Wasserverluste durch Verdunstung zu verringern. Gleichzeitig wird dadurch die Aufnahme von CO₂ eingeschränkt und die Photosynthese kommt weitgehend zum Erliegen.
    Hält der Wassermangel an, können Blätter innerhalb kurzer Zeit teilweise oder vollständig vertrocknen und braun werden und können in er Folge abgeworfen werden.
    Bei einem solchen plötzlich auftretenden Schaden – er kann innerhalb weniger Stunden auftreten – hat der Baum kaum Gelegenheit, die in den Blättern gespeicherten Nährstoffe und Assimilate zurückzugewinnen, sie gehen verloren.
  3.  Schädlinge
    Geschwächte Bäume werden außerdem anfälliger für Schädlinge und Pilzerkrankungen. Häufig sind beispielsweise Läuse, Spinnmilben oder verschiedene Blattpilze beteiligt.


Ein bekanntes Beispiel ist die Rosskastanienminiermotte. Ihr Befall kann dazu führen, dass Kastanienblätter bereits im Sommer großflächig braun werden und anschließend abfallen.

4. Pflegefehler
Auch zu viel Wasser kann ähnliche Symptome hervorrufen wie Trockenheit.
Bei dauerhaft zu nassem Substrat fehlt den Wurzeln Sauerstoff; sie können geschädigt werden und schließlich absterben. Ähnliches kann bei einer Überdüngung oder anderen Wurzelschäden geschehen.
Treffen vorgeschädigte Wurzeln dann auf eine Hitze- und Trockenperiode, kann der Baum trotz ausreichender Wassergaben nicht mehr genügend Wasser aufnehmen. Die Folgen ähneln denen eines klassischen Trockenschadens.
Hitze, Wassermangel und vorgeschädigte Wurzeln können sich gegenseitig verstärken.

 

Warum ist vorzeitiger Laubabwurf problematisch?

Der normale herbstliche Laubfall ist ein natürlicher und wichtiger Vorgang. Mit abnehmender Tageslänge, geringerer Lichtintensität und sinkenden Temperaturen wird die Photosynthese zunehmend unwirtschaftlich. Der Baum baut seine Blätter kontrolliert ab und möglichst viele Nährstoffe und Assimilate werden zurück in Stamm und Wurzeln verlagert.

Bei einem hitze- oder trockenheitsbedingten Laubverlust geschieht dagegen etwas völlig anderes: Der Baum wird zu einem Zeitpunkt zum Abwerfen seiner Blätter gezwungen, zu dem er noch aktiv wachsen und Reservestoffe aufbauen sollte. Die in den Blättern enthaltenen Ressourcen gehen dadurch verloren.

Ein gesunder Baum kann sich von einem solchen Schaden häufig wieder erholen und sogar einen zweiten Austrieb bilden. Das kostet ihn jedoch erhebliche Kraft. Problematisch wird es insbesondere dann, wenn die neuen Triebe bis zum Herbst nicht mehr ausreichend ausreifen. Sie können anschließend durch Fröste geschädigt werden und den Baum zusätzlich schwächen.

Ein einmaliger leichter Blattschaden muss also noch kein Grund zur Panik sein.
Wiederholter oder starker vorzeitiger Laubverlust sollte dagegen immer als Warnsignal verstanden und nach seiner Ursache untersucht werden.

 

 Was können wir tun?

Am besten ist es, Hitzeschäden gar nicht erst entstehen zu lassen:

  1. Rechtzeitig beschatten
    Gefährdete Bonsai sollten während besonders heißer Tage zumindest in den Nachmittagsstunden halbschattig oder schattig stehen. Dabei sollte trotzdem auf ausreichend Licht geachtet werden.
  2. Feuchtigkeit kontrollieren
    Das Substrat kann bei heissem Wetter sehr schnell austrocknen. Das gilt erst recht bei kleinen Schalen. Bei großer Hitze kann täglich mehrmaliges Kontrollieren und gegebenenfalls Gießen erforderlich sein.
  3. Für einen gut belüfteten Standort sorgen
    Ein gut belüfteter Standort verhindert stauende Hitze und reduziert gleichzeitig die Gefahr von Pilzerkrankungen. Allerdings sollte der Baum auch nicht permanent austrocknendem Wind ausgesetzt sein.
  4. Auf gesunde Wurzeln achten
    Ein durchlässiges Substrat und ein funktionierender Wasserabzug sind entscheidend. Staunässe und vollständiges Austrocknen sind daher gleichermassen zu vermeiden.
  5. Regelmäßig auf Schädlinge kontrollieren
    Gerade während Hitzeperioden sollten Blätter und Triebspitzen regelmäßig auf Läuse, Milben, Blattflecken und andere Pilzerkrankungen und Schaderreger kontrolliert werden.
    Je früher ein Befall erkannt wird, desto leichter lässt er sich beherrschen.

Kurz zusammengefasst

Braune Blätter und vorzeitiger Laubabwurf im Sommer sind kein normales jahreszeitliches Phänomen, sondern in aller Regel ein Hinweis darauf, dass der Baum unter existenzbedrohlichem Stress steht.

Wer seine Bäume während Hitzeperioden aufmerksam beobachtet und rechtzeitig reagiert, kann viele Schäden verhindern.

Und genau das gehört für uns Bonsaianer zu einer guten Pflege: Nicht erst reagieren, wenn der Baum bereits geschädigt ist, sondern seine Bedürfnisse erkennen, bevor es kritisch wird.

  

Liebe Bonsaifreunde,
meine Veröffentlichungen beruhen auf eigenen Erfahrungen und Auswertungen der einschlägigen Fachliteratur. Wenn Diskussionsbedarf besteht oder andere Erfahrungen gemacht wurden, dann schreibt mir doch eine E-Mail: w.porath@ro-online.de

Euer
Werner J. Porath
2. Vorsitz und Schulungsbeauftragter