Teil III: Arbeitsmaßnahmen/Tipps bei unseren Bonsais im März


 

Unsere Bonsai im März – Das Vegetationsjahr beginnt

 

Der Überblick:
Frostschutz

Spätfröste können gefährlich werden, deswegen sollten Bonsai bei beginnendem Wurzel- und Knospenwachstum frostfrei aufgestellt werden.

 

Umtopfen, Wurzelschnitt, Triebschnitt

Nach den letzten strengen Frösten können wir umtopfen, vor allem Laubbäume und Lärchen. Gleichzeitig nehmen wir einen Wurzel- und ggfs. Triebschnitt vor.

 

Gestalten

Jetzt ist eine gute Zeit für Verheiratungen (Tanuki) 
und Waldpflanzungen (Yose-ue) von Laubbäumen.

 

Giessen

Ab jetzt richten achten wir wieder verstärkt auf eine ausgeglichene Ballenfeuchtigkeit.

 

Düngen

Wir üben uns noch in Geduld, es ist noch zu früh.

 

Artspezifische Hinweise

Nadelbäume (ausser Lärchen) werden besser im Herbst umgetopft, aber auch im März/April können wir das erledigen.

 

Krankheiten und Schädlinge

Sobald die Knospen zu schwellen beginnen ist die ideale Zeit für Nachwinter- oder Austriebs-Spritzungen mit „Winteröl“ gegen tierische Schädlinge oder verdünntem Jinmittel gegen pilzliche Erreger.

 

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Liebe Bonsaifreunde,  meine Veröffentlichungen beruhen auf eigenen Erfahrungen und Auswertungen der einschlägigen Fachliteratur. Wenn Diskussionsbedarf besteht oder andere Erfahrungen gemacht wurden, dann schreibt mir doch eine E-Mail: w.porath@ro-online.de


Euer Werner J. Porath

2. Vorsitzender und Schulungsbeauftragter

Umtopfen und Wurzelschnitt

Der März ist die beste Zeit, unsere Laubbäume und Lärchen umzutopfen. Aber auch Nadelbäume können jetzt umgetopft werden, wenn das im Herbst nicht gemacht wurde. Starke Fröste sind kaum mehr zu erwarten und die Tage sind im Allgemeinen noch kühl, damit ist ein zügig einsetzendes Wurzelwachstum zu erwarten.

Substrat zerfällt mit der Zeit, es verdichtet sich und verkrustet. Das behindert den Gasaustausch („Atmung“), erschwert das Umtopfen und führt auf Dauer zu Wurzelschäden. Deshalb muss altes Substrat regelmässig ausgetauscht werden. 

Zwar wird durch zu häufiges Umtopfen die Pflanze geschwächt, da sie meistens im ersten Jahr anwurzelt und erst im Folgejahr wieder normal austreibt. Ein zu spätes Umpflanzen führt aber zu Platzmangel in der Schale und Unterversorgung bis hin zum Absterben ganzer Äste.

Gleichzeitig führt ein gewisser Platzmangel in der Schale aber zu kompakten Trieben. Um die richtige Balance zu finden empfiehlt sich eine Dokumentation der Umtopfzyklen. Sollte die Bodenoberfläche jedoch sehr hart sein und kaum noch Wasser aufnehmen, ist dies ein sicheres Zeichen für einen verdichteten Wurzelballen. Auch die Abzugslöcher am Schalenboden sind dann meistens zugewachsen. Allerspätestens jetzt muss umgetopft werden.

 

Jungpflanzen topfen wir jährlich um, ältere Pflanzen in Abständen von 2 – maximal 5 Jahren, je nach Art, Entwicklungsstand und Wuchsstärke.

 

Nach dem Umpflanzen müssen alle Bonsai für mindestens 2 Wochen frostfrei, vor direkter Sonne und austrocknenden Winden geschützt, aufgestellt werden. Selbstverständlich werden sie zunächst auch nicht gedüngt.

 

Beim Umtopfen erneuern wir bei jungen Pflanzen etwa 2/3 des alten Substrats, bei Älteren ca. 1/3. Wird eine andere Substratmischung verwendet (z.B. beim ersten Topfen in eine Schale) ist es ratsam, das Substrat komplett zu erneuern. Besonders Kiefern, Buchen und Eichen leben in Gemeinschaft mit gesundheitsfördernden Symbiosepilzen. Um diese zu fördern, kann beim Umtopfen ein kleiner Teil des alten Substrates wieder beigemischt werden, vorausgesetzt es ist einwandfrei.

Gleichzeitig mit dem Umtopfen erfolgt ein Wurzelschnitt. Zu starke Wurzeln werden stärker zurückgenommen als Schwache, insgesamt sollte der Wurzelballen hauptsächlich aus vielen feinen Wurzeln bestehen. Nur die Wurzelspitzen ernähren dem Baum. Nach starkem Wurzelschnitt hat es sich bewährt, den Wurzelballen auf der Unterseite mit etwas zerriebener Holzkohle zu bestreuen. Das wirkt fäulnishemmend und bindet Schadstoffe.

 

Das Umtopfen wird abgeschlossen durch Auflage von Moospolstern gegen zu schnelles Austrocknen und es sieht schön aus. Beim Eintopfen wird der Baum befestigt, seine Position und Neigung werden festgelegt bzw. gegebenenfalls korrigiert. Ein Bonsai steht nie exakt in der Mitte der Schale.

 

Um an Jungbäumen nach der Phase der Erstgestaltung einen schnelleren Zuwachs, insbesondere des Stammumfangs zu erzielen, können diese aus Topf oder Schale wieder für ein oder mehrere Jahre zurück in ein Beet ausgepflanzt werden. Mit beginnendem Triebwachstum endet die Zeit des Umtopfens.

 

Link zum Detailwissen UMTOPFEN>>

 

Triebschnitt

Wurzeln und Krone stehen in direktem Zusammenhang, deshalb wird gleichzeitig mit dem Wurzelschnitt ein Triebschnitt durchgeführt, um das Gleichgewicht von Wurzelballen und Krone zu erhalten. In der Spitzenknospe wird das Phytohormon Auxin gebildet, es fliesst nach unten und regt dort das Wurzelwachstum an. Cytokinin hingegen wird in den Wurzeln gebildet, es fliesst nach oben und steuert das Trieblängenwachstum. 
Unter diesen Vorzeichen steht der Rückschnitt des letztjährigen Austriebs, besonders bei Lärchen. Bei beginnendem Austrieb ist schon zu erkennen, was wachsen wird und entsprechend wird geschnitten: Auf 1 - 3 Augen. Wird später geschnitten geht die Welt auch nicht unter aber, die Triebkraft ist vergäudet und wird dem Baum nicht weiterhelfen. Ausserdem gibt es bei frühem Schnitt die Perspektive auf einen zweiten Austrieb.

 

Gestalten

Die Zeit des Umtopfens ist auch eine gute Zeit für Totholzbearbeitung, vor allem für Verheiratungen (Tanuki), Waldpflanzungen (Yose-ue), die Gestaltung von Mooskugeln und Felspflanzungen (Ishitsuki).

 

Schalenwahl

Welche Schale zu welchem Baum? 

Mit der Umtopfsaison kehrt auch die Frage nach der geeigneten Schale wieder.Grundsätzlich ist das Ansichtssache und eine Frage des persönlichen Geschmacks. Es gibt aber ein paar grundsätzliche Empfehlungen:
- Runde und ovale, auch glasierte Schalen eignen sich besonders für Laubbäume
- Unglasierte, eckige Schalen eher für Nadelbäume.
- Platten, meist aus Stein, passen sehr gut zu Gruppen- und Waldpflanzungen.
- Akzentpflanzen-Schalen sind abhänig vom Bewohner (Flachwurzler, Rübenwurzler, Sumpfpflanzen)

 

Artspezifische Hinweise

Der frühe März ist eine gute Zeit, an unseren Fächerahorn-Bonsai und ihren Züchtungen gleichzeitig mit dem Umtopfen auch Formschnitte an älteren oder dicken Ästen vorzunehmen, starkes Bluten ist zu dieser Zeit nicht zu befürchten, aber die Wunden wachsen schnell zu.

 

Zum Ende des Winters erwachen nicht nur unsere Bonsai aus dem Winterschlaf sondern auch ihre unliebsamen Begleiter.

Deshalb sollte nun auch unser besonderes Augenmerk auf Anzeichen von Krankheiten und Schädlingen gerichtet werden. Anfang März; wenn das Wurzelwachstum beginnt und in der Folge die Knospen schwellen, ist die beste Zeit für eine Austriebsspritzung mit „Winteröl“ (Promanal Neu Austriebsspritzmittel, Substral Naturen Schädlingsfrei) oder verdünnter Jinmittel-Lösung (für winterkahle Pflanzen 50 – 100 ml auf 1 l Wasser, für Wintergrüne 20 – 30 ml/1 l Wasser). Jinmittel-Lösung ist auch zur Bekämpfung von Schadpilzen hervorragend geeignet. Jinmittel ist im Grunde Schwefelsäure, deswegen müssen wir vor der Behandlung die Substratoberfläche abdecken und die Pflanzen anfeuchten. Die Lösung muss gut abtrocknen können, dann erzielen wir die beste Wirkung. Das bedeutet auch, dass wir nur bei trockenem Wetter und nicht bei Sonne spritzen.

 

Nacht- und Spätfröste können bei beginnenden Knospenwachstum unsere Bonsai schädigen. Solche „Frühaufsteher“ sollten deshalb geschützt aufgestellt werden.